Zurück zur Übersicht

Was Krisen mit uns machen – und wie wir sie überwinden können

Des werd scho – eine Mini-Serie von Christian Thiele Teil 1/6

Ein Beitrag von: Christian Thiele, POSITIV FÜHREN

Die Verlängerung der Verlängerung des Lockdowns wird verlängert. Homeschooling geht weiter. Die Impfkampagne schleppt sich so dahin. Keine Skisaison im Classic-Gebiet, keine Zugspitzsaison, ob und wann mal wieder so etwas wie Normalität einkehrt – keiner weiß das.

Die Umbrüche, die Ungewissheit der Krise zehren an uns. Menschen werden dünnhäutiger. Manche haben vor allem wirtschaftliche Sorgen, manche gesundheitliche, manche haben Todesfälle zu betrauern: Die Corona-Krise macht uns allen mehr oder weniger zu schaffen, aber: Was genau ist eigentlich eine Krise? Und was macht sie mit uns typischerweise?

Unter Krisen verstehen wir einerseits den Höhepunkt einer länger andauernden Funktionsstörung – irgendetwas geht nicht mehr so weiter wie gewohnt, politisch, gesundheitlich, wirtschaftlich, ökologisch… In Krisen müssen in der Regel Entscheidungen getroffen werden, zu Gunsten von X oder zu Ungunsten von Y – in der Regel schnell und in der Regel unter ungewissen Umständen. Andererseits wird unter Krise (aus dem Griechischen für „Meinung“, „Beurteilung“) häufig auch ein Wendepunkt verstanden, ab dem sich die Dinge verändern – und manche auch zum Guten.

Ein paar Impulse zum Nachdenken:

  • Welche Krisen in Ihrem Leben haben Sie schon überstanden?
  • Was/wer hat Ihnen dabei geholfen?
  • Wie könnten Sie die Erfahrung, diese Schwierigkeiten bewältigt zu haben, jetzt oder in Zukunft nützen?

Jeder von uns hat einen anderen Umgang mit Krisen, abhängig von Erziehung, genetischem Erbe und der aktuellen wirtschaftlichen, familiären, gesundheitlichen Lebenssituation. Zur Einordnung hilfreich sein kann aber das Modell der Trauerbewältigung, das die US-schweizerische Sterbeforscherin und Heilerin Elisabeth Kübler-Ross bekannt gemacht hat.

Demnach gehen wir in Momenten von Verlust und großer Veränderung in der Regel durch sieben Phasen – die stärker oder schwächer ausgeprägt sein können und jeweils länger oder kürzer dauern mögen:

  1. Schock: Mit Ungläubigkeit und Unverständnis reagieren wir auf den Verlust des Bewährten. Wir sind starr, gelähmt, haben keine Energie.
  2. Verleugnung: Zwar zeichnen sich die Konturen der Veränderung ab, aber wir verneinen sie, sehen uns nicht betroffen, können und wollen „es“ nicht wahrhaben. Wut, Ärger kommen auf.
  3. Akzeptanz: Mit Trauer und Resignation nehmen wir zur Kenntnis, dass das Alte, Gewohnte unwiderbringlich vorbei ist. Wir sind im Tal der Tränen angekommen.
  4. Ausprobieren: Erst jetzt – und nicht vorher! – sind wir offen für Ratschläge, suchen und finden neue Wege, testen vorsichtig andere Optionen aus. Die Unsicherheit weicht nach und nach der Zuversicht.
  5. Überwinden: Neue Denk- und Handlungswege haben sich etabliert, die Zeit des Haderns liegt hinter uns, der Blick geht nach vorne – gestärkt durch die Erfahrung: „Ich habe das überwunden“. So macht uns die Bewältigung der Krise vielleicht sogar stabiler für die Zukunft.

Können Sie mit diesem Modell etwas anfangen? In welcher Phase stecken Sie gerade? Was brauchen Sie gerade, was hilft Ihnen aktuell überhaupt nicht? Vielleicht mögen Sie sich ja mit jemandem dazu austauschen, der Ihnen nahe steht – oder der Ihnen eigentlich wieder näher stehen könnte.

Thema der nächsten Woche: Mit Frust, Ärger, Sorgen konstruktiv umgehen. Gute Zeit bis dahin! Sie machen das gut! Des werd scho!

Ihr
Christian Thiele

Ein Beitrag von:

Christian Thiele
Christian Thiele lebt mit Familie in Garmisch-Partenkirchen und arbeitet als Coach, Trainer, Autor und Podcaster für Positives Führen und Positive Psychologie (positiv-fuehren.com). Er gehört zum Trainerteam der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie (www.dgpp-online.de). Anmeldung für sein kostenloses Webinar „Das Glück: Was es ist und bringt, wie wir es finden - und wo nicht“ am Mittwoch, 12.5.2021 von 19-20 Uhr unter kontakt@positiv-fuehren.com.
Zurück zur Übersicht