Zurück zur Übersicht

Reduziertes Atmen verbessert die Sauerstoff­versorgung unseres Körpers

Ein Beitrag von: Stefan Völker - Trainer für funktionale Atmung

# Die funktionale Atmung, Teil 1

Eigentlich wäre es ganz einfach.
Wir atmen ein, in der Lunge tritt Sauerstoff (O2) in das Blut über, wandert am roten Blutkörperchen „befestigt“ weiter bis zu den Muskeln, Gewebe und Organen wo durch Kohlendioxid (CO2) gelöst und abgegeben wird.

Unsere Atmung ist ein perfekt ausgeklügeltes System, welches sich über Jahrtausende entwickelt hat. In der heutigen Zeit aber haben sich unsere Rahmenbedingungen massiv geändert.
Viele üben eine sitzende Tätigkeit aus oder bewegen sich einfach zu wenig - hierbei wird viel weniger Kohlendioxid produziert, so dass auch dessen Anteil im Blut weniger wird. In Kombination mit den täglichen Herausforderungen unseres Lebens werden in unserem Körper Stressreaktionen ausgelöst. Dabei weiten sich unsere Pupillen, es wird Cortisol ausgeschüttet und unser Puls sowie die Atemfrequenz werden leicht erhöht.
Durch diese (wenn auch oft unbemerkt) beschleunigte Atmung wird dringend benötigtes CO2 abgeatmet. Hier beginnt ein Teufelskreis:

Der für die Atmung zuständige Chemorezeptor im Gehirn misst ununterbrochen den CO2 Gehalt im Blut. Ist dieser höher als gewöhnlich, wird ein Atemreflex ausgelöst. Das kann ein Seufzen oder Gähnen sein, oder auch ein extra tiefer Atemzug.
Damit vermindert sich der CO2 Gehalt im Blut aber erneut. Der Chemorezeptor gewöhnt sich an diese niedrigen Werte und entwickelt somit eine Überempfindlichkeit gegen CO2.

Unsere Atmung wird dadurch Stück für Stück schlechter. Wir atmen ein bisschen mehr als nötig oder auch ein wenig tiefer als nötig. Oftmals entfällt auch die natürliche Atempause.

Da das CO2 aber für die Abgabe von Sauerstoff in die Muskeln und Organe essenziell ist, verschlechtert sich dadurch die Sauerstoff-Versorgung im ganzen Körper (inklusive des Gehirns) nachweisbar. Als Faustregel gilt: je mehr CO2 im Blut, desto besser unsere Sauerstoffversorgung. Mit weniger CO2 im Blut verschlechtert sich diese.

In einer Vergleichsstudie aus dem Jahr 2004 wurde nachgewiesen, dass der Blutfluss zum Gehirn um bis zu 67% abnimmt, wenn die Versuchspersonen freiwillig hyperventilieren. Die Sauerstoffversorgung des Gehirns nimmt dabei um bis zu 17% ab. Diese Unterversorgung kann zu Unruhe, Angst, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwierigkeiten führen.

Der Schlüssel zur verbesserten Sauerstoffversorgung unseres gesamten Körpers liegt also in der Kunst, weniger zu atmen.
Das wird für die meisten paradox klingen. Gerade weil immer noch viele „Fitness-Experten“ und Life-Coaches zum „tief durchatmen“ auffordern, um „mehr Sauerstoff in den Körper zu bringen“. Dabei ist es aber wiederholt wissenschaftlich bewiesen, dass sich dadurch der CO2 Gehalt verringert und somit die Sauerstoffversorgung unserer Zellen, Muskeln und Organe sogar abnimmt.

Durch einen höheren Kohlendioxid-Anteil im Blut ergeben sich noch weitere gesundheitliche Vorteile:

  • Gefäßerweiterung (Vasodilatation), also Verbesserung der Durchblutung
  • Verbesserung der Signalübertragung an den Nervenzellen (beeinflusst Logik, Verstand, Erinnerung, Konzentration und mehr)
  • Muskelentspannung
  • Erweiterung der Atemwege (Bronchodilatation)
  • Ausgleich des Säure-Basen-Haushalts

Eine wunderbare, sehr leicht durchzuführende Übung von Patrick McKeown zur Atemregeneration möchte ich Ihnen hier aufzeigen. Diese ist auch Teil der Oxygen Advantage- bzw. Buteyko-Methode:

Setzen Sie sich bequem aber aufrecht auf einen Stuhl und kommen Sie zur Ruhe.

Atmen Sie ganz sanft und ruhig durch die Nase ein und aus.

Halten Sie nun nach einer Ausatmung Ihre Nasenflügel mit den Fingern für fünf Sekunden zu und entspannen Sie in dieser Zeit Ihre Kiefer, Schultern und Bauch.
Lösen Sie die Finger und atmen Sie wieder entspannt und sanft durch die Nase ein.
Atmen Sie so zwei oder drei Atemzüge und halten sie sich dann die Nase nach einer Ausatmung erneut für fünf Sekunden zu.

Wiederholen Sie diese Übung für drei bis 10 Minuten - gerne auch mehrmals am Tag, oder gezielt bei Unruhe, Angst oder Aufregung.

Sollten Sie nach dem Luftanhalten merken, dass Sie bei der Einatmung Schwierigkeiten haben, sanft und ruhig zu atmen, dann verringern Sie die Luftanhaltezeit auf z.B. drei Sekunden.

Diese Übung ist für alle Personengruppen geeignet, auch für Personen, die eine Covid-Erkrankung hinter sich haben.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Sie sich während der Übung unwohl fühlen, so unterbrechen Sie diese bitte gleich. Unter Umständen sind dann für Sie andere Übungen passender.

Ich biete aktuell eine erste, kostenlose Sitzung an. Dabei nehmen wir uns Zeit, das Thema der reduzierten Atmung zu vertiefen und Sie lernen einen sehr einfachen Selbsttest, mit dem Sie jederzeit Ihre aktuelle Atemqualität überprüfen können.

Ein Beitrag von:

Stefan Völker ist Trainer für funktionale Atmung und lebt und arbeitet in Großweil.
Er unterstützt in Einzelsitzungen Klienten, die Ihre Lebensqualität über die Atmung verbessern möchten und arbeitet mit Sportlern und Athleten, um die Leistung und Ausdauer zu steigern.
Er ist zertifizierter Oxygen Advantage® Advanced Trainer nach Patrick McKeown und angehender Wim Hof Instructor.

Das komplette Leistungsspektrum, sowie Kontaktmöglichkeiten finden Sie unter:
Stefan Völker
Am Bad 5
82439 Großweil
Tel: 08851 / 40 99 96 52
Webseite: www.atem-arbeit.de

Zurück zur Übersicht