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Langsames Atmen gegen Stress - Die funktionale Atmung, Teil 2

Ein Beitrag von: Stefan Völker - Trainer für funktionale Atmung

# Die funktionale Atmung, Teil 2

Obwohl die Atmung zu unseren autonomen Körperfunktionen zählt, sind wir in der Lage sie willentlich zu beeinflussen.
Wir können sowohl die Größe variieren, als auch die Geschwindigkeit, bzw. den Rhythmus jedes Atemzugs steuern.
Über den Atemrhythmus können wir gezielt unser vegetatives Nervensystem beeinflussen.

Viele Menschen leiden häufig unter Stress, sie stehen ständig „unter Strom“.
Stress aktiviert einen wichtigen Teil unseres Nervensystems, den Sympathikus.
Dieser ist für die oft zitierte „Flight or fight“ Reaktion verantwortlich - wird er aktiv, so schaltet er unseren Körper innerhalb kürzester Zeit auf „Flucht oder Kampf“ um:

  • unsere Pupillen erweitern sich
  • unser Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt
  • die Bronchien werden erweitert und unsere Atmung wird schneller
  • Cortisol und Adrenalin werden ausgeschüttet
  • die Verdauung wird gehemmt und der Blutzuckerspiegel steigt

Das alles macht durchaus Sinn, wenn wir uns blitzschnell entscheiden müssen, dem Bären davonzulaufen, oder ihn anzugreifen.
Wenig Sinn aber machen diese Reaktionen, wenn wir im „Alltags-Stress“ stehen. Wenn also unser Chef ungeduldig ist, oder Gehaltsverhandlung bevorsteht, wenn Familienangehörige krank sind und wir uns Sorgen machen, dann sind diese Reaktionen unseres Körpers nicht förderlich, im Gegenteil.
Wir haben keinen klaren Kopf mehr, sind aufgeregt und reizbar und durch die erhöhte Atmung verlieren wir sogar dringend notwendiges Kohlendioxid.

Hält dieser Zustand nur ein paar Tage an, dann genügt das schon, um unseren Chemorezeptor nach und nach übersensibel auf Kohlendioxid werden zu lassen.
Der bereits im ersten Teil dieser Serie beschriebene Teufelskreis beginnt.

Glücklicherweise können wir aber über bewusstes Atmen unseren Sympathikus besänftigen und seinen Gegenspieler, den Parasympathikus aktivieren.

Dieser Teil des vegetativen Nervensystems bereitet unseren Körper auf „Rest and digest“, also „Ruhen und Verdauen“ vor:

  • der Herzschlag wird ruhiger, die Erregungsleitung langsamer
  • es wird mehr Speichel produziert
  • die Verdauung wird gesteigert (Darm, Leber und Gallenblase)

Bemerken wir also im Alltag, dass wir gerade gestresst sind, dann können wir anhand einfacher Atemübungen unseren Parasympathikus aktivieren und so den Sympathikus ausbremsen. Wir stellen unseren Körper gezielt vom Stress-Modus, auf den Entspannungs-Modus um.

Hier eine Beispielübung, mit welcher Sie gezielt Entspannung im Körper auslösen können:

Atmen Sie sanft durch die Nase ein und aus. Nehmen Sie bewusst Ihre Atmung war und zählen Sie die Sekunden, die Sie für die Ein- und für die Ausatmung benötigen. Achten Sie auf die Größe der einzelnen Atemzüge.

Reduzieren Sie (bei Bedarf) die Atemzüge und zählen Sie die Zeit.
Folgender Rhythmus aktiviert unseren Parasympathikus besonders gut:
Atmen Sie für fünf Sekunden ein und dann fünf Sekunden aus.

Sie müssen nur darauf achten, nicht zu viel zu atmen - denn gerade im gestressten Zustand brauchen wir Kohlendioxid dringend, da es für eine bessere Durchblutung im Hirn und für die Entspannung im Körper sorgt.

Achten Sie auch darauf, beim Ausatmen bewusst den ganzen Körper zu entspannen. Ihren Kiefer, die Schultern, Brust und Bauch. Lassen Sie die Entspannung wie eine Welle vom Kopf bis zu den Füssen wandern.

Sie werden merken, dass Sie schon bald wieder ruhiger werden und klarer denken können.
Diese Übung können Sie natürlich auch jederzeit durchführen, wenn Sie nicht gestresst sind.
Damit verbessern Sie das Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus, was sich klinisch sogar durch eine Verbesserung der Herz-Raten-Variablität nachweisen lässt.

Auf Dauer werden Sie wesentlich resilienter, da Sie nach stressigen Situationen viel schneller wieder „zurück schalten“ können. Das ist nicht nur für Ihren Körper gesünder, sondern auch für Ihren psychischen Zustand von großer Bedeutung. Sie können durch die damit gewonnene Ruhe und Klarheit auch wesentlich besser Ihr anstehendes Problem lösen.

Es gibt natürlich noch mehr „Notfall-Übungen“, die kurzfristig gegen akuten Stress wirken, aber die hier aufgezeigte Übung ist meiner Meinung nach eine der Effektivsten.
Wenn Sie aber erfahren möchten, wie Sie die Kontrolle über Ihren Stresszustand übernehmen können, dann melden Sie sich doch bei mir zu einer kostenlosen Schnupperstunde!

Ein Beitrag von:

Stefan Völker ist Trainer für funktionale Atmung und lebt und arbeitet in Großweil.
Er unterstützt in Einzelsitzungen Klienten, die Ihre Lebensqualität über die Atmung verbessern möchten und arbeitet mit Sportlern und Athleten, um die Leistung und Ausdauer zu steigern.
Er ist zertifizierter Oxygen Advantage® Advanced Trainer nach Patrick McKeown und angehender Wim Hof Instructor.

Das komplette Leistungsspektrum, sowie Kontaktmöglichkeiten finden Sie unter:
Stefan Völker
Am Bad 5
82439 Großweil
Tel: 08851 / 40 99 96 52
Webseite: www.atem-arbeit.de

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