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Hin zu mehr Sinn!

Des werd scho – eine Mini-Serie von Christian Thiele Teil 4/6

Ein Beitrag von: Christian Thiele, POSITIV FÜHREN

Wenn Sie mal einen Moment in sich gehen wollen, stellen Sie sich doch die Frage: Was verleiht meinem Leben eigentlich Sinn? Was ist für mich wichtig, bedeutsam an meinem Tun und Handeln?

In der Regel erleben Menschen Sinnhaftigkeit durch:

  • sinnstiftende Tätigkeiten (beruflich oder privat)
  • Aktivitäten, die den eigenen Werten entsprechen
  • das Empfinden und Weitergeben von Verbundenheit, Liebe, Geborgenheit
  • das Wissen, gebraucht zu weden

Schon die alten Griechen unterschieden zwischen

  • einerseits dem hedonischen Glück, dem Glück des angenehmen Moments, von Komfort und von der Abwesenheit von Negativität –
  • und andererseits dem eudaimonischen Glück, dem eher stilleren, tieferen Zufriedenheitsglück, das empfindet, wer einen Beitrag leisten, seine Potenziale entfalten, Bedeutung empfinden kann – selbst wenn sie oder er dafür einmal zurückstehen muss und nicht immer nur eigenen Spaß und Freude erleben kann.

Menschen, die den Sinn in ihrem Leben kennen und sehen, leben also das gute Leben im eudaimonischen Sinn. Sie sind in der Regel zufriedener, gelassener, haben weniger Profilierungsdrang und können ihr authentisches Sein und Wesen leben. Das erfüllende muss kein aufopferndes Leben sein, ein bisschen Erfolg und Komfort darf schon sein. Der amerikanische Psychologie-Professor Paul Wong hat in seiner Forschung acht Hauptquellen für Sinn-volles Leben ausgemacht:

  1. Leistung
  2. Akzeptanz
  3. Transzendenz, also das Wissen, dass es etwas Größeres gibt als uns selbst
  4. Intimität
  5. Beziehungen
  6. Religion
  7. Gleichberechtigung
  8. Positive Emotionen

Es gibt sogar Fragebögen, mit denen man das Sinn-Erleben von Menschen messen kann, aber Sie könnten sich ja auch einfach anhand dieser acht Bereiche acht Gläser vorstellen und die jeweiligen „Füllstände“ in Ihrer aktuellen Lebenssituation festhalten. Was sagt Ihnen diese Sinn-Messung über Ihre momentane Lage? Was ist durch die Pandemie weniger und schwieriger geworden? Welche Gläser sind vielleicht sogar voller geworden?

„Wer ein Wofür zu leben hat, kommt mit fast jedem Wie klar“: Der Wiener Nervenarzt – und ambitionierte Bergsteiger – Viktor Frankl, als Jude in vier Konzentrationslagern gepeinigt und seiner kompletten Verwandtschaft beraubt, hat diesen Satz bekannt gemacht.

Und auch wenn wir kein Sinnesorgan haben, um Sinn zu spüren: Sinn wird stark empfunden, tief verarbeitet, hat erhellende und transformierende Wirkung. Die moderne Forschung gibt Frankl Recht, sie kann nachweisen, dass gerade in schwierigen Lebensphasen das Sinnerleben Stress reduziert und die Lebensqualität erhöht (z.B. Vos, J., & Vitali, D. (2018). The effects of psychological meaning-centered therapies on quality of life and psychological stress: A metaanalysis. Palliative & supportive care, 16(5), 608-632.)

Daher hier noch einige Impulse, mit denen Sie – vielleicht mit einem Gesprächspartner – über Ihr Sinnerleben in der Corona-Krise sinnieren können:

  • Wer war ich vor der Pandemie, wer könnte ich danach sein?
  • Wie und wo finde ich mein persönliches Glück?
  • Mit welchen Menschen fühle ich mich durch die Krisenzeit stärker verbunden und will ich künftig mehr in Kontakt sein?
  • Was sollte ich mit meinem Leben anfangen?
  • Wo gehöre ich hin?
  • Was ist das Ziel all meiner Bestrebungen?
  • Womit könnte ich mein Leben sinnvoller und bedeutsam machen?

Wer noch mehr darüber erfahren mag: Mit der Psychologin Tatjana Schnell, einer der führenden Sinnforscherinnen, habe ich vor einiger eine Folge meines Podcasts „Positiv Führen“ zum Thema Sinnerleben aufgenommen. Ihr Buch „Psychologie des Lebenssinns“ ist sehr empfehlenswert!

Viel Erfolg und auch Gaudi beim sinnieren über Ihren Sinn! Sie machen das gut! Des werd scho!

Ihr
Christian Thiele

Ein Beitrag von:

Christian Thiele
Christian Thiele lebt mit Familie in Garmisch-Partenkirchen und arbeitet als Coach, Trainer, Autor und Podcaster für Positives Führen und Positive Psychologie (positiv-fuehren.com). Er gehört zum Trainerteam der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie (www.dgpp-online.de). Anmeldung für sein kostenloses Webinar „Das Glück: Was es ist und bringt, wie wir es finden - und wo nicht“ am Mittwoch, 12.5.2021 von 19-20 Uhr unter kontakt@positiv-fuehren.com.
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